Tabuthema Vasektomie – unser Weg zur hormonfreien Verhütung

Tabuthema Vasektomie - unser Weg zur hormonfreien Verhütung

Unsere Verhütungsodyssee

Heute erzähle ich euch unsere Geschichte über Verhütung und Vasektomie. Da aber jeder Körper anders reagiert hat dies mit Sicherheit keine Allgemeingültigkeit. Ihr solltet unbedingt mit eurem Arzt sprechen und herausfinden, was für euch persönlich am besten passt. Dieser Text ersetzt auf gar keinen Fall ein Beratungsgespräch.

Das Thema Verhütung kenne ich aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis eigentlich immer nur als Frauensache. Die Männer haben sich da nie drum gekümmert, weil es einfach nicht notwendig war. Auch ich habe die Pille seit meinem 15. Lebensjahr genommen und erst als das Thema Kinderwunsch aufkam habe ich sie abgesetzt. Also habe ich ganze 7 Jahre durchweg Hormone geschluckt und eigentlich auch gut vertragen. Das mit den Hormonen war eben das, was Frau so macht.

Tabuthema Vasektomie - unser Weg zur hormonfreien Verhütung
Pille nimmt man halt als junge Frau

Nach unserem ersten Kind wollte ich gern weg von der täglichen Einnahme, da ich Angst hatte, sie zu vergessen und mir das Ganze dadurch einfach zu unsicher war. Daher entschied ich mich für eine Goldspirale. Ohne Hormone. Die fand ich super und kann sie auch nur empfehlen. Ich hatte keinerlei Probleme und musste an nichts weiter denken. Meine Regel hatte ich weiterhin ganz normal. Nach einem Jahr habe ich sie mir aber wieder entfernen lassen, da wir noch ein zweites Kind wollten. Das lief alles problem- und schmerzlos.

Also war die logische Konsequenz auch nach der zweiten Schwangerschaft erneut die Spirale zur Verhütung einzusetzen. Das hat aber leider gar nicht mehr funktioniert. Nach kurzer Zeit ist sie durch meine starke Regelblutung (verstärkt durch 2 Schwangerschaften/Geburten) verrutscht und ich musste sie sicherheitshalber entfernen lassen, da eine Verhütung so nicht mehr gewährleistet war. Von einem erneuten Versuch riet mir meine Frauenärztin damals ab. Ihre Alternative war die Hormonspirale, die ich aber aus Kostengründen ( ca. 600€) abgelehnt habe.

Nach langem hin und her überlegen blieben wir also wieder bei der Pille hängen. Doch es kam wie ich es befürchtet hatte. Ständig vergaß ich die Einnahme und das trotz Erinnerung im Handy. Um das alles zu umgehen bin ich mit meiner Ärztin noch einmal alle Alternativen durchgegangen. Hier fiel dann das erste Mal das Wort Vasektomie (darauf gehe ich gleich näher ein).

Da das Thema aber vorher noch nie relevant war, entschied ich mich erst einmal für ein Hormonimplantat im Arm. Das klang gut: ich muss an nichts denken, keine Tabletten schlucken, man merkt es nicht und man hat keine Regelblutung. Dazu kann ich nur sagen: Nie wieder! Das war die blödeste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich hatte extreme Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen und ich war überhaupt nicht mehr ich selbst. Das einzig Positive war hier wirklich, dass ich meine Regel nicht mehr hatte. Nach 3 Monaten habe ich das teure Implantat entfernen lassen und da ich die Hormondosis nur langsam runterfahren sollte, musste ich noch einige Monate die Pille nehmen. Das Ganze war mir aber dadurch wirklich nicht mehr so ganz geheuer , und so sollte auch die zeitnah weg.

So und nun stand ich da:

  • Pille wollte ich nicht mehr
  • Spirale funktionierte nicht
  • Hormonspirale oder Hormonimplantat fielen auch aus
  • Diaphragma war mir suspekt
  • Kondome finde ich in einer festen Partnerschaft nervig (sonst natürlich: Safety first!)

Wieder war ich bei meiner Ärztin und wir haben lange überlegt, was denn nun passt. Am Ende gab es für uns eigentlich nur die endgültige Variante, sprich meine Sterilisation oder die Vasektomie bei meinem Mann. Soweit so gut, aber meine Familienplanung war noch nicht ganz abgeschlossen und so ließ ich die Verhütung vorerst ganz weg (natürlich in Absprache mit dem Mann). Das Zauberbaby ließ nicht lange auf sich warten und so schoben wir das Thema weiter auf. Noch in der Schwangerschaft unterschrieb ich, dass im Falle eines (ungeplanten) Kaiserschnittes eine Sterilisation durchgeführt werden soll. Da es aber (zum Glück) nicht dazu kam war mein Mann am Zug. Nach langen Gesprächen zwischen uns und einigem Abwägen ob es Sinn macht stand die Vasektomie also im Raum. Der Eingriff bei Männern ist wesentlich einfacher und mit weniger Risiken verbunden als bei Frauen und somit war die Entscheidung einfach.

Tabuthema Vasektomie - unser Weg zur hormonfreien Verhütung
Familienplanung abgeschlossen – jetzt fehlt die richtige Verhütungsmethode

Vasektomie

Gleich vorweg muss ich sagen, dass eine Vasektomie ein Eingriff und somit wie jede andere OP auch mit Risiken verbunden ist. Die Entscheidung dafür will also gut überlegt sein und sollte auch nicht ohne ein gutes Beratungsgespräch im Vorfeld stattfinden. Da immer noch sehr wenig darüber gesprochen wird und es für viele Männer ein Tabuthema ist, möchte ich euch noch etwas mehr darüber erzählen.

Allgemeine Infos:

  • Eingriff wird vom Urologen durchgeführt – (auch das Beratungsgespräch findet dort statt)
  • Kosten müssen selbst getragen werden, die Krankenkasse zahlt hier nicht. Preise schwanken stark zwischen 300 und 700€ (kann eventuell auch höher ausfallen) – unbedingt vorher nachfragen und auch Preise für Nachkontrollen geben lassen.
  • OP kann unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden, davon riet unser Arzt allerdings ab, da hier wohl einige Männer trotzdem starke Schmerzen verspüren können. Vollnarkose macht hier (seiner Meinung nach) mehr Sinn
  • der Eingriff dauert ca. 30 min.
  • es werden zwei kleine Einschnitte an den beiden Hoden gemacht
  • die Samenleiter werden durchtrennt, ein Stück davon wird entfernt und die Enden verödet bzw. vernäht. Auch Clips sind möglich
  • Nach der OP ist Mann mindestens 1 Woche krankgeschrieben
  • ja, es tut weh! und laufen ist längere Zeit etwas unangenehm
  • man kann es theoretisch rückgängig machen aber da gibt es keine 100% Garantie, dass es funktioniert (zusätzlich ist es kompliziert und wieder mit Kosten verbunden)
  • nach 8 bzw. 12 Wochen werden Samenproben abgegeben und kontrolliert ob man schon unfruchtbar ist. Unbedingt das okay vom Arzt abwarten, da es teilweise auch länger dauern kann, bis keine Spermien mehr zu finden sind (es braucht dazu mindestens 20 Ejakulationen)
  • das Ejakulat verändert sich weder optisch noch von der Konsistenz (Ergänzung des Mannes: auch der Geschmack bleibt gleich 😉 )
  • im Normalfall ändert sich auch gefühlsmäßig nichts
  • Pearl-Index liegt bei 0,0 bis 0,1 (im Vergleich dazu liegt die Pille bei: 0,1  bis 0,9)

Risiken

Generell ist die Vasektomie eher ein kleiner Eingriff und Probleme treten auch selten auf. Aber es gibt sie, auch das sollte man vorher unbedingt bedenken. Gern würde ich sie euch hier einzeln aufführen aber man findet so viele unterschiedliche Meinungen dazu, dass ich euch am Ende vielleicht noch etwas völlig Falsches erzählen würde. Da ich das unbedingt vermeiden möchte: informiert euch bitte beim Urologen eures Vertrauens darüber und scheut euch auch nicht, eure Bedenken auszusprechen.

Ich möchte aber noch erwähnen: bei Gesprächen in Familie und Freundeskreis zu dem Thema habe ich auch von einigen gehört, dass sie sich nicht mehr als richtiger Mann fühlen würden. Bedenkt also bitte auch den psychischen Aspekt des Ganzen und was der Eingriff mit euch machen würde. Sprecht auch unbedingt mit eurer Partnerin. Seid ihr euch wirklich einig, dass der Kinderwunsch abgeschlossen ist? Und noch viel wichtiger: Liebe Männer: Lasst euch zu nichts drängen! Das ist eine Entscheidung für das ganze Leben und die solltet ihr nicht nach kurzer Zeit bereuen.

Fazit

Wir sind entspannter und glücklich mit unserer Entscheidung für diesen Eingriff. Wir müssen nicht ständig über das Thema nachdenken und sind freier im Kopf. Für uns war es die beste Entscheidung. Zusätzlich geht es mir unwahrscheinlich viel besser ohne die Hormone. Ich habe keine krassen Stimmungsschwankungen mehr, ich habe abgenommen (ohne sonst etwas zu verändern) und mein Hautbild hat sich verbessert. Was will man also mehr?

Jetzt bin ich ja auf eure Geschichten gespannt…Team Pille oder lieber hormonfrei? oder ganz anders? erzählt mir doch gern in den Kommentaren davon.

4 Kommentare zu „Tabuthema Vasektomie – unser Weg zur hormonfreien Verhütung“

  1. “Mama, Guck Mal, Papa trägt eine Windel!”
    Ich, mit ca. 3 Jahren.

    Meine Eltern sind so sehr happy. Mein Mann kann sich einen solchen Eingriff derzeit noch gar nicht vorstellen. Das ist okay, solange wir weiter auf ein erneutes Zufallskind hoffen. Aber dann? Hormone Verträge ich nicht. Dreimal getestet, drei Mal Depressionen. Spirale? Vielleicht. Wir werden sehen was die Zeit bringt.

  2. Herzlichen Dank für die Offenheit, die Transparenz zu diesem besonderem Thema! Meine Gedanken (als Mann) dazu, nach 24 Jahren Ehe, 5 Schwangerschaften usw:
    -Verhütung geht beide an, seltsamerweise verschiebt sich auch im 21.Jahrhundert die Hauptverantwortung in der Praxis dafür nach der Hochzeit sehr deutlich Richtung Frau!
    -bei uns war Kalender+Thermometer+Schleim das Mittel der Wahl
    -Vasektomie haben wir bei Freunden mitbekommen, inkl. OP-Komplikationen, deshalb wenig Begeisterung.
    -Pille wollte meine Frau nicht, kann ich gut nachvollziehen. -Stillen hat bei uns (nicht zu verallgemeinern!) immer für 12-14 Monate “zyklusfrei” geführt.
    Mein Plädoyer: nehmt als Paar Verantwortung wahr! Also: Treue, bewusstes Wahrnehmen vom Zyklus von Frau UND! Mann, Reden über Optionen, Vermeiden von Hormondauerzufuhr, Vasektomie als mögliche Ultima Ratio, aber bitte ohne “Zwang” für den Mann. Für mich wäre das nix… 😉

    1. Hallo, bin da ganz bei dir. Jedes Paar sollte für sich selbst herausfinden, was am besten funktioniert. Und das definitiv ohne Zwang! Temperaturmessen ist z. B. Überhaupt nicht meins.
      Zum Thema zyklusfrei möchte ich aber gern noch sagen, dass auch ohne Regelblutung eine Schwangerschaft möglich ist. Also bitte Vorsicht an dieser Stelle. Liebe Grüße

  3. Wir haben auch schon überlegt, ob wir uns eine Vasektomie leisten. Allerdings will mein Partner sich dem Eingriff noch nicht stellen. Er meinte, dass es ihm lieber wäre, wenn er sich das noch überlegen könnte. Trotzdem sollte das Thema in der Öffentlichkeit häufiger diskutiert werden.

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